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Ärztemangel in der Schweiz

Ärztemangel in der Schweiz

Nur ein Drittel der zweitausend Ärzte, die jährlich in der Schweiz neu ihre Zulassung erhalten, wurde auch hierzulande ausgebildet. Deshalb aber von einem Ärztemangel in der Schweiz zu sprechen, wie es in der politischen Diskussion oft geschieht, ist falsch – denn die fehlenden Ärzte werden schon seit Jahrzehnten „importiert“, vor allem aus Deutschland und Österreich, aber auch aus Italien und Griechenland.Vertreter der ärztlichen Interessenverbände laufen gegen die geltende Politik schon lange Sturm. Als „unethisch“ bezeichnet der Präsident der Ärzteschaft, Jacques de Haller, den Ärzteimport, vor allem da er mit einer gleichbleibend strikten Reglementierung des eigenen Nachwuchses einhergeht: Nicht nur, dass auf jeden medizinischen Studienplatz fast sechs Bewerber kommen, diese sehen sich, wenn sie erst einmal ihre Ausbildung erfolgreich beendet haben, zudem mit einem Zulassungsstopp konfrontiert, der seit knapp zehn Jahren gilt und noch bis Ende 2012 in Kraft bleiben wird.
Genügend Ärzte, falsch verteilt
Eingeführt wurden die Zulassungsschranken, nachdem es Ende der neunziger Jahre zu einer Ärzteschwemme gekommen war. Damals hatte die massive Einwanderung vor allem deutscher Ärzte in die Schweiz begonnen. Auf das Überangebot an Ärzten hatten die Universitäten mit der Einführung des Numerus clausus reagiert, und die Gesundheitsbehörden mit dem Zulassungsstopp. Nun aber nur die zuwandernden Ärzte vor allem aus Deutschland für die bestehende Situation verantwortlich zu machen, sei zu einfach, wie der Vizedirektor des Bundesamtes für Gesundheit, Stefan Spycher betont, denn die Scheu, selbst in die Medizinerausbildung zu investieren, habe entscheidend dazu beigetragen, dass das Angebot an Studienplätzen – im Bereich Gesundheit – in der Schweiz nicht zeitig ausgebaut worden sei. Schließlich koste die Ausbildung jedes Arztes etwa eine Million Franken – Kosten, die jetzt von den Universitäten in Deutschland und andernorts getragen würden.Von einem Ärztemangel in der Schweiz zu sprechen, sei dennoch falsch, betont Spycher, denn die Schweiz ist nach Untersuchungen der OECD eines der Länder mit der weltweit höchsten Ärztedichte. Problematisch sei aber die Verteilung der Ärzte. Vor allem in ländlichen Gegenden und in einzelnen Spezialisierungen – etwa der Psychiatrie – gebe es Engpässe. Hier müssten die Reformen ansetzten, nicht in erster Linie bei der absoluten Anzahl der zugelassenen Mediziner. Das Studienplatzangebot soll dennoch maßvoll ausgeweitet werden – auf 900 Studienplätze ab 2015. Denn in der alternden Schweizer Bevölkerung wird die Nachfrage nach medizinischen Dienstleistungen weiter zunehmen.